Thalys schleicht weiter nach Paris

Wer auf der Autobahn in Richtung Lüttich unterwegs ist, kennt sie von unten schon länger: die neue Hochgeschwindigkeitstrasse, über die einmal Thalys und ICE nach Brüssel und Paris flitzen sollen. Eine Dreiviertelstunde Zeitersparnis gegenüber der jetzigen Bahnverbindung soll sie bringen. Angesichts des Tempolimits auf belgischen Autobahnen würde sich gewiss so mancher Selbstfahrer fragen, warum er sich nicht entspannt und schneller dort oben auf der Trasse zum Ziel bringen lässt. Und zum besonders unweltfeindlichen Konkurrenten Flugzeug könnte mit einer Reisezeit von 3 Stunden 14 Minuten von Köln nach Paris einiges aufgeholt werden.
Doch nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (vom 5.2.2007) kann die neue Trasse höchstwahrscheinlich gar nicht sofort in Betrieb genommen werden. Die Europäische Union habe nämlich vorgesehen, dass auf der neuen Strecke erstmals das neue Sicherungssystem ETCS eingesetzt werden soll. Dieses aber sei bei Thalys und ICE noch gar nicht eingebaut. In Deutschland sei es noch nicht einmal zugelassen, denn die Industrie habe noch gar keine verbindliche Endversion der Technik vorgelegt, die man hätte zulassen können. Da aber für die Trasse durch Belgien - schließlich hat die EU das ETCS vorgeschrieben - auch kein altes Sicherungssystem installiert wurde, kann die Trasse nach dem Bericht der SZ kaum vor Ende 2008 in Betrieb genommen werden.
Ganz anders sieht es übrigens auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Frankfurt - Straßburg - Paris aus. Dort ist das alte System installiert worden. Die ICE haben die französische Sicherungstechnik an Bord und werden in wenigen Monaten dort wohl den Betrieb aufnehmen.
Anmerkung des Verfassers: Man kann natürlich diskutieren, ob Hochgeschwindigkeitsverbindungen auf neuen landschaftsfressenden Trassen wirklich nötig sind. Wenn sie aber gebaut sind, sollten sie wohl auch genutzt werden können. (Erg. v. 6.2.'07)



