Naziaufmarsch & Widerstand in Düren

Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Antifa Düren

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Massiver Widerstand gegen Nazi-Aufmarsch
Massiver Widerstand gegen NPD-Demonstration in Düren / Rund 1400 Menschen beteiligen sich an antifaschistischer Demonstration / Mehrere hundert Menschen bei Kundgebungen des Bündnisses gegen Rechts / NPD-Route erfolgreich blockiert

Antifaschistische Gruppen hatten zu einer Demonstration unter dem Motto „Für antifaschistischen Lifestyle & nazifreie Straßen“ aufgerufen. Zunächst versammelten sich gegen 10 Uhr rund 600 TeilnehmerInnen zu einer Auftaktkundgebung.

Eine Vertreterin der Antifa Düren und ein Sprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) hielten Redebeiträge. Die Antifa-Demonstration zog zunächst lautstark durch Nord-Düren und dann Richtung Innenstadt. Die AntifaschistInnen wurden an verschiedenen Plätzen, an denen Aktionen des Dürener Bündnisses gegen Rechts stattfanden, mit Beifall und Zustimmung empfangen. Lediglich die CDU, die mit einem kläglichen Häuflein von 20 Menschen einen Anti-NPD-Infostand in der Kuhgasse abhielt, war wenig erfreut über den Antifa-Besuch: Die Konservativen mussten sich scharfe Kritik wegen der Haltung von Bürgermeister Larue zum rechten „Bund der Vertriebenen" und seiner Hetze gegen die Antifa-Bewegung anhören. Hunderte buhten und pfiffen die CDU-Parteigänger aus.

Solidarisieren, mitmarschieren

Auf dem Weg durch die Stadt schlossen sich zahlreiche Menschen spontan dem Protest an. Vor allem junge DürenerInnen und Migranten reihten sich in die Antifa-Demo ein, sodass die Teilnehmerzahl bis zum Erreichen des Wirteltorplatzes (Abschlusskundgebung) auf rund 1400 anwuchs. An der Ecke Hans-Brückmann-Straße / Arnoldsweilerstraße gab es einen ersten ernsthaften Versuch, die Polizeiabsperrungen zu überwinden und den NPD-Aufmarsch zu blockieren. Am Wirteltorplatz löste sich die Antifa-Kundgebung auf. Später gelangten Kleingruppen auf die Route der Neonazis. Durch Blockaden wurde der Umzug der NPD erheblich beeinträchtigt. Mehrere hundert Menschen beteiligten sich zudem an insgesamt sechs Kundgebungen, die von der Antifa Düren angemeldet worden waren und von Mitgliedsorganisationen des Dürener Bündnisses gegen Rechts gestaltet wurde. Hierdurch war der NPD der Weg in die Innenstadt weitgehend verwehrt. Festnahmen oder Gewahrsamnahmen von AntifaschistInnen gab es nach unserer Kenntnis nicht.

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Desaster für Neo-Nazis
Desaster für die Neonazis

Der NPD-Kreisverband um Ingo Haller hatte monatelang für ihren Aufmarsch mobilisiert. Diese versammelten sich ab etwa 11 Uhr am Südausgang des Dürener Bahnhofes. Antifaschistische Parolen wie „Nazis sind Menschenschänder" und „Nazis raus" am Platz waren mit schwarzer Folie von der Polizei (?) überklebt worden. Die „Kameraden" sollten offenbar durch nichts und niemand bei ihrem Aufmarsch gestört werden. Trotzdem mussten die Nazis den Anblick der Losungen ertragen, weil beherzte Passanten die Folien entfernten.

Nur etwa 130 Personen folgten dem NPD-Aufruf, diese Zahl sank im Laufe der Zeit, sodass an einer improvisierten Kundgebung in der Oberstraße nur noch etwa 70 - 80 Neonazis teilnehmen. Eine ursprünglich auf dem Chlodwigplatz geplante Kundgebung konnte nicht stattfinden, weil dieser durch AntifaschistInnen blockiert war. Der Neonazi-Umzug kam aufgrund der Blockade für mehr als 45 Minuten zum Stehen. An vielen Stellen protestierten AntifaschistInnen und AnwohnerInnen direkt an oder auf der NPD-Route.

Bei der improvisierten Kundgebung traten als Redner Oliver Harf (NPD-Ratsherr in Stolberg), Willibert Kunkel (Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Aachen / Vorsitzender der NPD-Stadtratsfraktion in Stolberg), Eric Leu (Kerpen, Kreisvorsitzender der NPD Rhein-Erft), Lars Spönlein (NPD Krefeld) und Ralf Tegethoff (Kameradschaft Bonn / Rhein-Sieg). Nach kurzer Zeit fiel die Lautsprecheranlage der Neonazis aus, sodass von den Redebeiträgen kaum etwas zu verstehen war. Nachdem Tegethoff in seinem Redebeitrag gegen Auflagen verstoßen hatte, wurde diesem die Festnahme angedroht. Offenbar leitete die Polizei ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein. Die Neonazis skandierten während ihres Umzuges Parolen wie „Nationaler Sozialismus - jetzt!" und bezogen sich damit offen auf den Hitler-Faschismus. Während des Rückwegs zum Bahnhof rief der NPD-Kreisvorsitzende seine „Kameraden" zu Spenden auf. Haller behauptete, der „politische Gegner" habe am Lautsprecherwagen der Neonazis Reifen zerstochen. Hintergrund könnte ein Konflikt zwischen verschiedenen Strömungen der Neonazi-Szene sein. Aufgrund des eskalierenden Streites hatten Sven Skoda und Thomas Wulff (zwei „prominente" Neonazis), die ursprünglich als Redner in Düren angekündigt waren, ihre Teilnahme abgesagt.

Zur Einschätzung

Es ist gelungen, eine antifaschistische Massenmobilisierung zu organisieren. Mit bis zu 1400 TeilnehmerInnen war die Antifa-Demo trotz Hetze durch die Lokalpresse (diese veröffentlichte u.a. einen Kommentar mit der Überschrift „Risikofaktor Autonome") und einer vorauseilenden Entsolidarisierung durch Teile des Dürener Bündnisses gegen Rechts von allen Gegenaktionen an diesem Tag die Stärkste. Dies belegt, dass die Antifa-Bewegung handlungs- und mobilisierungsfähig ist. Dass sich neben organisierten Antifa-Gruppen auch hunderte DürenerInnen anschlossen belegt, dass es in Düren einen Bedarf an konsequenter Antifa-Politik gibt.

- Die Neonazis konnten nur dem unter Schutz eines großen Polizeiaufgebotes durch Düren marschieren und ihre rassistische Hetze verbreiten. Dank des Engagements aktiver AntifaschistInnen, die die Losung „Kein Platz für Neonazis" ernst nahmen, wurde eine NPD-Kundgebung am Chlodwigplatz erfolgreich verhindert.

- Es war richtig, die Plätze in der Dürener Innenstadt durch das „Bündnis gegen Rechts" zu „besetzen". Die verschiedenen Aktionen - Kundgebungen in der Innenstadt, die kämpferische Demonstration antifaschistischer und linker Gruppen sowie die Blockaden auf der NPD-Route - haben sich ergänzt. Trotzdem war es ein Fehler, die Kundgebungen bereits um 14 Uhr zu beenden und nicht wie von der Antifa Düren vorgeschlagen bis 18 Uhr aufrechtzuerhalten. Es wäre richtig gewesen, auch im Zentrum die Proteste fortzusetzen, solange sich die Neonazis in der Stadt befanden.

- Der gestrige Tag hat bewiesen, dass das Nebeneinander der verschiedene Protestformen erfolgreich war. Die Praxis hat diejenigen Kräfte in Düren widerlegt, die auf eine Spaltung des Protests in „gute" und „böse" Antifaschisten hingewirkt haben. Wir als Antifa treten für ein breites Bündnis ein. Für einen Dialog über die Strategie gegen Rechts stehen wir jederzeit zur Verfügung. Jedoch lassen wir uns nicht „disziplinieren" und entscheiden selbständig darüber, wann wir welche Protestaktion für angebracht halten.

Skandalös ist das Überkleben von antifaschistischen Parolen durch die Polizei. Während Hakenkreuz-Schmierereien oft wochenlang in Düren zu sehen sind, wurden hier den Neonazis tatsächlich Rosen auf den Weg gestreut.

Auch nach dem 22. September geht der Kampf weiter!

Wir danken allen, die sich an den verschiedenen Protesten beteiligt haben und denjenigen, die die Route der Neonazis blockiert haben. Insbesondere gilt unser Dank den GenossInnen und FreundInnen, die aktiv an der Vorbereitung und Durchführung der Antifa-Demonstration mitgewirkt haben.

Der Protest gegen den NPD-Aufmarsch hat gezeigt, dass eine starke Antifa-Bewegung erfolgreich Widerstand gegen Rechts leisten kann. Jetzt gilt es, die antifaschistischen Strukturen in Düren weiter auszubauen. Organisiert euch in der Antifa!

Dokumentiert:

Redebeitrag der Antifa Düren am 22. September 2007 in Düren

Kurzredebeitrag der Antifa Düren am 22. September 2007 in Düren

Redebeitrag der VVN-BdA Aachen am 22. September 2007 in Düren

Pressemitteilung der Antifaschistischen Gruppe Aachen

Pressespiegel:

Klarmanns Welt (23. September 2007)

Dürener Bündnis gegen Rechts (22. September 2007)

Klarmanns Welt (22. September 2007)

Dürener Nachrichten (22. September 2007, Online-Ausgabe)

Dürener Zeitung (22. September 2007, Online-Ausgabe)
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