Kronenbrot: Auf Messers Schneide!

Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Siegfried Faust

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30% weniger bei Kronenbrot?
Bei Kronenbrot geht der Streit um den Tarifvertrag in eine neue Runde. Während sich die Haustarife bei Kronenbrot in der Vergangenheit am NGG-Flächentarif für Industriebetriebe orientierten, will die Unternehmensleitung jetzt die rund 30% niedrigeren Tarife des Bäckerhandwerks durchsetzen. Am Mittwoch wollen die in der NGG organisierten MitarbeiterInnen entscheiden, ob sie dagegen in unbefristeten Streik treten - und die Firmenleitung will, ganz nach Vorbild der Bahn, mit juristischen Mitteln das Steikrecht in Frage stellen.

Am 3. November führte die Gewerkschaft NGG der Region Aachen in Alsdorf eine Mitgliederversammlung mit den Beschäftigten des Würselener Unternehmens Kronenbrot durch. Über 150 organisierte Kolleginnen und Kollegen nahmen an dieser Veranstaltung teil.

Nachdem am 22. Oktober die NGG-Tarifkommission das Scheitern der Verhandlungen mit der Geschäftsleitung des Unternehmens Kronenbrot erklären musste, kam es am 2. November auf Wunsch der Geschäftsleitung zu einem weiteren Gespräch mit der Tarifkommission von NGG. Auf der Betriebsversammlung informierten der Geschäftsführer von NGG der Region Aachen Peter Mogga sowie der Betriebsratsvorsitzende von Kronenbrot in Würselen über den aktuellen Stand der Tarifauseinandersetzung.

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Bei den Löhnen Handwerk statt Industrie? Kronenbrot in Würselen
Beim Unternehmen Kronenbrot wird traditionell zwischen den Tarifparteien ein Haustarif ausgehandelt. Dieser Haustarif orientiert sich am NGG Flächentarif für Industriebetriebe. In diesem Jahr stellte aber die Unternehmensleitung die Bedingung, dass Neueingestellte künftig nicht mehr nach dem Industrietarif sondern nach dem um ca. 30 Prozent niedrigerem Tarif des Bäckerhandwerkes eingestellt und vergütet werden sollen.

Dieses Vorhaben, dass nicht nur die Bildung einer innerbetrieblichen Zwei- Klassen- Arbeitnehmerschaft zur Folge hätte, sondern mittel- und langfristig auch die Einkommen der Stammbelegschaft deutlich absenken soll, konnte von den Verhandlungsführern der NGG-Tarifkommission nicht akzeptiert werden. Deshalb wurde nach drei Verhandlungsrunden die Tarifverhandlung von der NGG-Seite als gescheitert erklärt.

Auch bei dem Gespräch am 2. November rückte die Arbeitgeberseite nicht wesentlich von ihrer Forderung, den Tarif des Bäckerhandwerkes zu übernehmen, ab.

Während einer angeregt geführten Diskussion auf der Versammlung vom Samstag einigten sich die NGG-Tarifkommission und die anwesenden Kolleginnen und Kollegen darauf, dass am Mittwoch, dem 7. November, die Urabstimmung für einen unbefristeten Streik durchgeführt wird.

Besondere Brisanz bekommt dieser Arbeitskampf durch die Tatsache, dass die Unternehmensleitung von Kronenbrot entgegen den bestehenden Grundrechten in der Bundesrepublik einen Arbeitskampf für gesetzwidrig hält und mit juristischen Mitteln einen Streik verhindern will.

NGG hat nach eigenen Angaben die Rechtmäßigkeit eines Streikes sorgfältig prüfen lassen. Dieser wäre rechtmäßig und die Teilnahme daran berechtigt den Arbeitgeber nicht, Abmahnungen, Kündigungen oder Schadensersatzforderungen auszusprechen. Die Drohungen der Geschäftsleitung mit solchen Maßnahmen sollen nach Ansicht von NGG nur der Einschüchterung der Beschäftigten dienen.

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Versammlung der NGG-Mitglieder bei Kronenbrot
An der Betriebsversammlung in Alsdorf nahmen auch zwei Vertreter der Partei Die Linke teil, die von den Anwesenden freundlich begrüßt wurden. Eine Resolution des Arbeitskreises „Betrieb und Gewerkschaft in der Euregio“ sowie von Mitgliedern der Kreisverbände Aachen, Euskirchen und Düren der Partei Die Linke, den der NGG Geschäftsführer am Ende der Veranstaltung verlas und der den Beschäftigten von Kronenbrot die uneingeschränkte Solidarität der Unterzeichner ausspricht sowie zu gleich das Ansinnen der Geschäftsleitung, einen Arbeitskampf mit juristischen Mitteln verhindern zu wollen auf das Schärfste verurteilt, wurde von den anwesenden Kolleginnen und Kollegen mit viel Beifall bedacht.

Nach dem erfolgreichen Warnstreik bei Kronenbrot vor zwei Wochen und trotz des Beschlusses auf Durchführung einer Urabstimmung für einen unbefristeten Streik appellieren sowohl die Tarifkommission als auch die Kolleginnen und Kollegen nochmals an die Geschäftsleitung, ihre starre Haltung aufzugeben und eine Zugrundelegung des Industrietarifes für einen Haustarifvertrag nicht weiter zu blockieren.

(Bild oben: Montage Darius Dunker für z-ac.de, Foto: Wikimedia Commons, Lizenz: GnuFDL und Creative Commons Share Alike, Foto Mitte: Norbert Schnitzler für Wikimedia Commons, Lizenz: GnuFDL; Foto unten: Siegfried Faust für z-ac.de)

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