„Wir sind einer ekelhaften und subtilen Agression ausgesetzt“

Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Andrej Hunko

Erfolgreiche Solidaritätsveranstaltung mit den streikenden Lokführern

Rund 40 Menschen beteiligten sich am Mittwochabend an einer Solidaritätsveranstaltung mit den streikenden Lokführern.

Eingeladen hatte ein Bündnis von Vertretern der LINKEN und verschiedenen Gewerkschaftern.

Gerd S., einer der beiden Streikleiter in Aachen, eröffnete die Podiumsbeiträge mit einer erschütternden Schilderung der Arbeitsbedingungen der Lokführer, die für viele KollegInnen einer der Hauptgründe für die große Entschlossenheit im gegenwärtigen Streik sei. Hier spiele - neben der Unmöglichkeit für Lokführer im Regionalverkehr mal auf die Toilette gehen zu können - vor allem die Arbeitszeit die Hauptrolle. Dienstpläne müssten „nicht nur fahrbar, sondern auch schlafbar sein". Unter den gegenwärtigen Bedingungen würden man als Lokführer „entsozialisiert". Gegenwärtig sein man seitens des Bahn-Managements „einer ekelhaften und subtilen Agression ausgesetzt".

Auf viel Zustimmung stieß der Beitrag von Manfred Engelhardt, Personalratsvorsitzender der Studentenwerke NRW, deren solidarische Grüße er übermittelte. Der GDL-Streik diene als Katalysator für gesamtgesellschaftliche Prozesse. Anfang nächsten Jahres würde auch verdi „in der Fläche" streiken. Im Blick auf die bisherige unsolidarische Rolle des DGB sagte das verdi-Mitglied: „Der DGB, der nur noch systemimmanent arbeitet, hat die Hosen voll." Gleichwohl gäbe es viel Sympathie an der Basis der DGB-Gewerkschaften. Engelhardt, der vor wenigen Tagen auch DER LINKEN beigetreten ist, wolle dafür eintreten, DGB-Gewerkschafter für die Unterstützung des Streiks zu gewinnen.

Marc Treude, Stadtrat in Aachen für DIE LINKE und SAV-Mitglied, hob die Bedeutung des Streiks angesichts der vielen Niederlagen der Arbeiterbewegung in den letzten 20 Jahren hervor. Vor allem gelte es jetzt praktische Solidarität zu üben. Treude drückte die Hoffnung aus, dass der GDL-Streik zum Wendepunkt und Vorbild für andere Sektoren der Arbeiterklasse wird.

In der lebhaften Diskussion wurde u.a. über die von Mehdorn angekündigte Ausgliederung der Lokführer in eine Servicegesellschaft gesprochen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass dies eine „vergiftete Lösung" sei, die auf längere Sicht auch die Lokführer schwäche und die Belegschaft weiter aufsplittere. Ebenso wurde über den an dem Tag bekannt gewordenen Schwenk der Gewerkschaft Transnet diskutiert, die aufgrund des gesellschaftlichen Drucks nun ebenfalls den Börsengang der Deutschen Bahn ablehne. Dies sei ein ermutigendes Zeichen den Druck auf die anderen Gewerkschaften zu erhöhen, sich nun auch an die Seite der Lokführer zu stellen. Ein entsprechender Aufruf solle unterstützt werden.

Eine Spendensammlung erbrachte 100 Euro für Solidaritätsaktionen; konkret wollten sich alle Anwesenden in den nächsten Tagen an gemeinsamen Aktionen beteiligen.

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