AVV kritisiert "katastrophale Situation" und "Hilflosigkeit" der DB

Der AVV kritisiert den Wegfall von Serviceleistungen, zunehmende technische Probleme und Tatenlosigkeit angesichts von Engpässen im Streckenbereich Herzogenrath - Aachen - Düren. Inzwischen hätten viele Kunden ihre Fahrkartenabonnements gekündigt.
"Der AVV, Experten, Kammern und Verbände haben auf die Missstände seit langem hingewiesen", erklärt der Verkehrsverbund. "Darüber hinaus hat der AVV einen Maßnahmenkatalog zur Entschärfung der Situation vorgelegt. Da dies bisher ohne Auswirkungen auf die Planungen der DB Netz AG blieb, missbilligt die Resolution diese Zustände und fordert die DB auf, einen reibungslosen Schienenverkehr in der Region sicherzustellen."
z-ac dokumentiert an dieser Stelle die Resolution des AVV:

Betriebsstörungen, Baumaßnahmen und der Streik der Lokführer der DB haben den Bahnverkehr in der Aachener Region in den zurückliegenden Monaten massiv beeinträchtigt. Tausende Pendler sind tagtäglich von Zugausfällen, Verspätungen und dem mangelnden Service der DB betroffen.
Die seit vielen Jahren geplante Umstellung der Sicherungs- und Leittechnik auf ein elektronisches Stellwerk (ESTW) in Aachen in der Zeit vom 23. bis 26.11.2007 führte nach deren Durchführung am 02.12.2007 an mehreren Tagen zum Bahnkollaps in der Aachener Region. Zeitweise kam der gesamte Bahnverkehr zum Erliegen.
Durch die vorgenannten Vorkommnisse wurde die Anfälligkeit des Gesamtsystems im Hinblick auf die infrastrukturellen Rahmenbedingungen schonungslos offengelegt und die Hilflosigkeit der DB im Umgang mit der Problemlage deutlich.
Durch die eingetretene Situation ist das Vertrauen der Kunden in den ÖPNV massiv geschwunden. Zahlreiche Kunden haben ihre Fahrkarten-Abonnements gekündigt und sind wieder auf das Auto umgestiegen bzw. haben Fahrgemeinschaften gegründet.
Neben diesen Auswirkungen sind viele Bürger und Unternehmen indirekt wirtschaftlich von dem Bahnchaos betroffen.
Bereits seit vielen Jahren haben der AVV und viele Experten, Kammern und Verbände auf die Engpasssituation und die zu erwartenden Probleme zwischen Aachen und Düren bzw. Aachen und Herzogenrath hingewiesen. Seitens des AVV wurde ein komplexer Maßnahmenkatalog zur Entschärfung der Probleme erarbeitet, jedoch blieb dieser bisher ohne nennenswerte Auswirkungen auf die Planungen der DB Netz AG.
Die Überlagerung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs (Thalys / ICE) mit dem Regionalverkehr und dem internationalen Güterverkehr auf weitestgehend zweigleisigen Streckenabschnitten, der Engpass Aachen Hauptbahnhof und erhebliche Einschränkungen in der betrieblichen Flexibilität sind die Hauptursachen für die Problemlage. Verstärkt werden diese Probleme darüber hinaus durch technische Ausfälle bei Weichen, Signalen und Fahrzeugen.
Bisher sind keinerlei Maßnahmen oder Planungen seitens des DB-Konzerns zu erkennen, die zu einer kurz- und langfristigen Lösung der Probleme beitragen würden.
Darüber hinaus wurden die Serviceleistungen der DB immer stärker eingeschränkt. Beispielhaft sei hier
zu nennen.
- der Wegfall des Service-Points im Aachener Hauptbahnhof,
- die weitere Einstellung von Vertriebswegen und
- die mangelhafte Kundeninformation im Störungsfall
Auch die immer stärkere Zentralisierung von Aufgaben im DB-Konzern führt zu einer verzerrten Wahrnehmung von Problemen vor Ort und demzufolge zu deutlich längeren Reaktionszeiten bei Problemen.
Die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Aachener Verkehrsverbund missbilligt die von der DB verursachte katastrophale Situation im gesamten Bahnverkehr in der Aachener Region und fordert die DB auf, unverzüglich Maßnahmen in Form eines Sofortprogramms zu ergreifen, welche kurzfristig die geordnete Abwicklung des Schienenpersonenverkehrs in der Aachener Region sicherstellt.
Darüber hinaus fordert die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Aachener Verkehrsverbund die DB auf, neben den Beschleunigungsmaßnahmen im Bereich Eschweiler und Stolberg weitere infrastrukturelle Maßnahmen zur Erhöhung der Streckenkapazität im Abschnitt Herzogenrath Aachen Düren einzuleiten und den weiteren Rückbau von Ausweichstellen zu stoppen. Ebenfalls fordert die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Aachener Verkehrsverbund die DB auf, den Service an Bahnhöfen und in den Zügen zu verbessern.



