Oman, du hast es besser
Professor Burkhard Rauhut, Rektor von Aachens Elite-Uni, hat es geschafft: Er wird demnächst eine ganz neue Technische Hochschule leiten, an deren Aufbau er maßgeblich beteiligt sein wird, und das in dem sonnigen Urlaubsparadies Oman.
Ein Kommentar.
Oman liegt nur sechs Flugstunden entfernt von Frankfurt am östlichen Rand der Arabischen Halbinsel. Das Sultanat überrascht mit wild zerklüfteten Hochgebirgen, tiefen Canyons, idyllischen Oasen und weitläufigen Plantagen. (Tourismusministerium Oman)
Da half es nichts: Weder die Konzentration der Macht auf den Rektor, die die rot-grüne Landesregierung vor ihrem Niedergang noch eingeleitet hatte, noch der Status des Rektors einer Eliteuniversität konnten Prof. Rauhut an der RWTH Aachen halten.
Der Oman, ein Sultanat am gleichnamigen Golf, wird ab Herbst die Wahlheimat von Professor Burkhard Rauhut werden, derzeit noch Rektor an der RWTH Aachen. (AN)Klar, der Oman kann erheblich glaubhafter vermitteln zu wissen, dass Mitbestimmung lästig ist und einem modernen Hochschulmanagement nur im Wege steht. Im Oman funktioniert das politische System so (Ähnlichkeiten zur Leitung einer nordrheinwestfälischen Hochschule sind reiner Zufall):
Gemäß der Verfassung [...] ist Oman eine absolute Monarchie (Sultanat). Oberster Herrscher des Landes ist der Sultan, der das Amt des Staatsoberhaupts und Regierungschefs auf sich vereint. Die von ihm ernannten Minister haben nur beratende oder administrative Funktion. Die Rechtsprechung erfolgt nach islamischem Recht. [...] Der Nationale Konsultativrat (Majlis Oman) ist eine nach Zweikammersystem aufgebaute Versammlung mit lediglich beratender Funktion. Das Oberhaus (Majlis ad-Dawla) setzt sich aus 41 vom Sultan ernannten Mitgliedern zusammen. Das Unterhaus (Majlis ash-Shura) wird von Omanern im Alter ab 21 Jahre auf drei Jahre gewählt, wobei der Sultan aus 164 gewählten Kandidaten schließlich 82 zu Mitgliedern der Versammlung ernennt. Außerdem hat der Sultan das Recht, die Wahl für ungültig zu erklären. Die Gesetzgebung erfolgt durch Dekrete; politische Parteien sind verboten. (Wikipedia)
Studiengebühren-Befürworter Rauhut wird sich glücklich schätzen, dort eine Uni aufbauen zu dürfen, die vormacht, was so richtige Studiengebühren sind: etwa 10.000 Euro im Jahr. Das Tourismusministerium:
Die Omanis sind stolz auf das, was sie in den letzten 30 Jahren unter der Regentschaft von Sultan Qaboos aufgebaut haben. Sie leben heute in einem modernen Staat in Einklang mit ihren alten Traditionen.
Konkret: Bei den letzten Wahlen kam keine einzige Frau ins Parlament. Amnesty International berichtet:
Nach dem Beitritt Omans zur UN-Frauenrechtskonvention erklärten die Behörden, dass ein Ausschuss für die Umsetzung des Übereinkommens eingesetzt worden sei. Frauen waren jedoch nach wie vor in Gesetz und Praxis vor allem im Personenstandsrecht, auf dem Arbeitsmarkt und in ihrer Teilhabe am öffentlichen Leben Diskriminierung unterworfen. Die UN-Sonderberichterstatterin über Menschenhandel, insbesondere den Handel mit Frauen und Kindern stattete Oman im November einen Besuch ab. In einer ersten Schlussfolgerung äußerte sie sich besorgt über Meldungen, wonach Arbeitgeber ihre Hausangestellten misshandelten und in anderer Weise gegen ihre Rechte verstießen. So wurde Hausangestellten unter anderem der Schlaf entzogen, ihre Löhne wurden einbehalten, ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt und ihnen der Zugang zu grundlegenden Kommunikationsmitteln wie zum Beispiel Telefonen verweigert. Die Sonderberichterstatterin stellte ferner fest, dass Frauen aus Mittel- und Ostasien nach Oman gebracht und zur Prostitution gezwungen wurden. (AI Jahresbericht 2007)Oder mit den Worten des Tourismus-Ministeriums:
Mit Freundlichkeit, Offenheit und großer innerer Ruhe heißen die Menschen im Land den Fremden willkommen.
Tatsächlich berichtet selbst Amnesty von gewissen Fortschritten:
Im Berichtsjahr wurden wichtige Verbesserungen des Arbeitsrechts vorgenommen. Diese bezogen sich jedoch nicht auf Hausangestellte, bei denen es sich überwiegend um ausländische Migranten handelt. Sie waren weiterhin Ausbeutung und Übergriffen durch ihre Arbeitgeber ausgesetzt.
Jürgen Linden, der natürlich auch gleich wieder dabei ist, wenn es "Erfolge" zu vermelden gibt, erkennt immerhin, dass da noch gewisse Defizite im Oman bestehen:
Der OB erhofft sich von dem Projekt, dass nicht nur die Wissenschaften, sondern auch «Menschlichkeit» an den Golf getragen werde. (AN)Aus Aachen wissen wir indes nur allzu gut, welchen Stellenwert man an einer Technischen Hochschule den Gesellschaftswissenschaften einräumt. Wir dürfen gespannt sein, wann Missionar Rauhut die Todesstrafe im Sultanat Oman zu Fall gebracht haben wird...



