Der Weltfrauentag ist eine sozialistische Erfindung

In den USA, Großbritannien und anderen Ländern pochten die Frauen auf ihre Rechte. Norwegen ließ Frauen als erstes Land zu den Wahlen zu. Nach dem Waffenstillstand von 1918 durften auch die deutschen Frauen zu den Wahlen. In Belgien mussten die Frauen bis zum Jahre 1948 warten. Die Vereinten Nationen erklärten am 8. März 1975 den Internationalen Weltfrauentag.
In den Medien findet der Internationalen Frauentag in den letzten Jahren nur sehr wenig Beachtung. Meist sind es nur kleine Gruppen und Gruppierungen, die sich für die Belange einsetzen und mit Plakaten und Flugblättern darauf aufmerksam machen. In Anbetracht der Probleme international, aber auch in einem sehr reichen Land wie Deutschland, sind die Probleme nach wie vor sehr vielseitig und es gibt keinen Anlass, sich ruhig zu verhalten.
Erzwungene Schwangerschaftsabbrüche, Genitalverstümmelungen, Opfer von Gewalt, Ehrenmorde sind alltägliches Frauenschicksal. Nach UNO-Schätzungen erlebt fast jede 7. Frau Gewalt in ihrer Familie oder von ihrem Ehepartner. Allein die angezeigten Misshandlungen im letzten Jahr sprechen eine eindeutige Sprache. Die Dunkelziffer dürfte noch weit höher sein.
Schnäppchen haben ihren Preis.
Die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen z. B. von Textilnäherinnen, sowie die Hungerlöhne in Drittländern und China haben ihren Preis. Sie garantieren den Textilfilialisten wie KIK, den Discountern wie Lidl, Aldi usw. hohe Profite. Darüber muss sich auch der Verbraucher bei uns in Deutschland im Klaren sein und sollte sein Kaufverhalten überprüfen und evtl. ändern, sowie Druck auf die Anbieter ausüben. Geiz ist also noch lange nicht geil.
Auch bei uns in Deutschland sind Frauen in vielen Bereichen benachteiligt. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? In vielen Bereichen der Wirtschaft Fehlanzeige. Frauen haben meist weniger Einkommen, wenige Karrierechancen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist bei vielen nicht gegeben. Unter den Vorständen der 30 DAX-Unternehmen gibt es nur eine einzige Frau.
Besonders in den Dienstleistungsbereichen in Deutschland Gastronomie, Einzelhandel, Friseurhandwerk etc. gehören Frauen zu den Geringverdienern und arbeiten oft in prekären Beschäftigungsverhältnissen oder auf 400-Euro-Basis. Durch die Agenda 2010 (Hartz IV) seit Januar 2005 rutschen gerade Frauen immer mehr in Armut. Besonders alleinstehende oder alleinerziehende. Verheiratete, die ihren Job verlieren, geraten oft in einem Teufelskreis. Für viele heißt es nach Auslaufen des ALG I, finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann, für manche heißt es zurück an den Herd. Viele Frauen werden zukünftig verstärkt in die Altersarmut fallen und von den Almosen eines SGB XII abhängig werden.
Selbst der seit langem geforderte Mindestlohn schützt nicht vor zukünftiger Altersarmut. Wer 7,50 Euro pro Stunde verdient, erhält ab dem Jahr 2030 nach 47 Berufsjahren eine Rente von 510 Euro. Vor allem, wer schafft es schon, 47 Jahre zu arbeiten, und das durchgehend? Seit langem schallt schon der Ruf nach der Eigenverantwortung, das heißt, Vorsorge für das Alter vorzunehmen. Es fragt sich nur von was? Wer finanziell gerade über die Runden kommt, oder sogar zusätzlich Aufstockergeld im Zuge von Hartz IV beantragen muss, weil er trotz Vollzeit Job nicht vom Verdienst leben kann, wird auch im Alter arm bleiben.
Für den 8. März 2008 wäre es also angebracht, das Thema Frauenrecht wieder auf die politische und außerparlamentarische Fahne zu setzen und auf die Missstände aufmerksam zu machen, sowie Forderungen zu proklamieren.
Eine Neuorientierung und Neuordnung der einstigen Frauenbewegung wäre dringend erforderlich.
(Foto: Gewerkschafterinnen demonstrieren zum internationalen Frauentag 2005 in Daka (Bangladesch).
Aufname: Soman. Verwendung unter Lizenz GnuFDL.)



