Hochwasserschutz zu Lasten Behinderter?

Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Darius Dunker
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Kornelimünster - hübsch, aber alles andere als barrierefrei
Während - endlich - global über die Folgen der Klimaveränderung diskutiert wird, will man in Kornelimünster lokal handeln: Zur Vorsorge bei eventuellem Hochwasser der Inde soll eine wichtige Fußgängerbrücke zum historischen Ortskern höher gelegt werden. Doch nach den vorgelegten Plänen würde dieser Fußweg eine Steigung von 18% erhalten und wäre damit nicht mehr behindertengerecht. Eckard Köppel, der für die Grünen in der Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim sitzt, fordert statt dessen, die Möglichkeiten vorbeugenden Hochwasserschutzes zu prüfen.

Damit hatte offenbar niemand gerechnet: Die Sitzung der Bezirksvertretung in Aachens südlichstem Stadtbezirk, die in der vergangenen Woche hätte stattfinden sollen, wurde in letzter Minute einfach abgesagt. Helmut Huntgeburth, Kreisvorsitzender und Landespressesprecher des Sozialverbands VdK, hatte nämlich angekündigt, den Brückenneubau notfalls mit einer einstweiligen Anordnung per Gericht zu stoppen. Im Behindertengleichstellungsgesetz Nordrhein-Westfalen heißt es ziemlich klar:

§ 7 Barrierefreiheit in den Bereichen Bau und Verkehr

(1) Die Errichtung oder die Änderung baulicher Anlagen der [...] Träger öffentlicher Belange sind entsprechend den bauordnungsrechtlichen Vorschriften barrierefrei zu gestalten.

Für Behinderte ist der hübsche, aber verwinkelte Ort an der Inde ohnehin ein hartes Pflaster. "Hier sind die Bürgersteige schmal, die Wege steil, das Pflaster mitunter holprig. Ich fände es schlimm, wenn Kornelimünster noch unzugänglicher für Behinderte würde", erklärte eine Einwohnerin gegenüber z-ac.

Eckard Köppel hält den Konflikt zwischen Hochwasserschutz und Behindertengerechtigkeit für möglicherweise ganz unnötig. Er fordert, dass erst einmal die Möglichkeiten geprüft werden, das Hochwasser zurück zu halten, bevor es Kornelimünster überschwemmt. In einem Brief an Bezirksamtsleiterin Claßen verweist die Grüne Bezirksfraktion auf die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), die in einer allgemeinen Darstellung schreibt:

Ein optimierter Hochwasserschutz kann durch eine integrierende Vorgehensweise erreicht werden, die das Flächenmanagement, den technischen Hochwasserschutz und vor allem die Hochwasservorsorge einschließt. Maßnahmen zum dezentralen Hochwasserschutz gewinnen als Alternative und Ergänzung der klassischen Konzepte immer mehr an Bedeutung. Er verursacht vergleichsweise geringe Kosten, und die Maßnahmen können Schritt für Schritt umgesetzt werden.

Es wäre also nur logisch, zunächst zu prüfen, welche Rückhaltung eines Hochwassers vor Kornelimünster möglich wäre. Schließlich sind die Täler, in denen Iter und Inde auf Kornelimünster zufließen und sich am südlichen Ortseingang vereinigen, hauptsächlich als Weideflächen genutzt, deren Überflutung bei einem Hochwasser akzeptabel wäre. Eckard Köppel meint, es müsste möglich sein, hier mit relativ geringem Aufwand Rückhaltedämme oder Ähnliches zu schaffen. Tatsächlich ist die Iter, weiß er zu berichten, in früheren Zeiten so weit aufgestaut worden, dass Güter von der Eisenhütte nahe der Monschauer Straße (wo sich heute die Itertalklinik befindet) auf dem Wasser bis an die Aachener Straße zwischen Walheim und Nütheim transportiert werden konnten. Reste alter Dämme seien noch heute im Itertal zu erkennen. Vielleicht dienten sie tatsächlich früher auch dem Schutz Kornelimünsters vor der Iter, die als das größere Problem für Kornelimünster eingeschätzt wird.

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Walheim und Kornelimünster
Bizarr an dem aktuellen Konflikt ist, dass es sich bei dem geplanten Bau einer höheren Brücke um eine reine Vorsichtsmaßnahme für gewissermaßen virtuelle Risiken handelt. Bisher führte die Inde vor allem dann Hochwasser, wenn nach schneereichen Wintern das Tauwasser von den Hügeln des Vennvorlands in kurzer Zeit Iter und Inde anschwellen ließ. Ob bei der prognostizierten Klimaerwärmung nicht eher mit weniger Schnee und deshalb weniger angesammeltem Wasservolumen zu rechnen ist, mögen Meteorologen erklären. Die Bevölkerung weiß die Situation vor allem aus dem Rückblick zu beurteilen, und niemand erinnert sich, dass das Wasser die Brücke, die jetzt angeblich zu niedrig ist, je erreicht hätte. Merkwürdig auch, dass gar nicht darüber diskutiert wird, dass vermutlich der Ortskern Kornelimünsters bei einem solchen Wasserstand schon durch aus den Abwasserkanälen drängendes Wasser überflutet würde.

Woher also jetzt der dringende Neubau, mit dem eine mehr oder weniger fiktive Gefahr gebannt, aber eine ganz reale Verschlechterung geschaffen werden soll? Ist es eine Baulobby, die hier einen guten Auftrag sieht? Oder hängt das ganze damit zusammen, dass auf einem Teil der Wiesen am Ortsanfang von Kornelimünster, die früher regelmäßig überschwemmt wurden, vor einigen Jahren Anschüttungen vorgenommen wurden und ein Autohändler Platz fand? Nein, damit habe es nichts zu tun, erfuhr Eckard Köppel von Amtsseite, dafür seien Ausgleichsflächen geschaffen worden. Wo diese denn sind, konnte Köppel aber leider auch der z-ac-Redaktion nicht sagen. "Aus Datenschutzgründen" habe man ihm diese Auskunft selbst verwehrt.

Datenschutz für Gewässermaßnahmen? Es bleibt spannend, was da in Kornelimünster vor sich geht...

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