Bayer-Chemikalie wegen Bienensterben gestoppt
Seit den 1990er Jahren wurde von französischen Wissenschaftlern verstärktes Bienensterben auch auf den Einsatz des Pestizids Imidacloprid von Bayer zurückgeführt. Das unter den Markennamen Gaucho und Chinook als Pflanzenschutzmittel vertriebene Gift ist inzwischen in Frankreich nicht mehr für die Verwendung bei Sonnenblumen zugelassen. In vielen Ländern wird es aber weiterhin eingesetzt, in Deutschland beispielsweise zur Behandlung des Saatguts von Raps, weshalb NABU und Berufsimkerbund vor einem Bienensterben durch Biodiesel warnen.
Bayer bewirbt sein neues Produkt "Poncho Pro", das in diesem Jahr großflächig in vom Maiswurzelbohrer betroffenen Gebieten eingesetzt wurde, folgendermaßen:
Bayer CropScience hat vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf Grund der hohen Gefährdungsgefahr [sic!] eine Zulassung für sein neues Beizmittel Poncho® Pro (Clothianidin) erhalten. Es hat in den USA bereits gute Erfolge in der Bekämpfung des Maiswurzelbohrers erzielt. Clothianidin aus der Klasse der Neonicotinoide wird dank seiner wurzelsystemischen Eigenschaften gleichmäßig und dauerhaft im Saftstrom der Pflanze verteilt. Seine Wirkung hält sehr lange und ist weitgehend unabhängig von der Bodenfeuchtigkeit. Zudem ist Clothianidin auch sehr gut umweltverträglich.
Am vergangenen Freitag forderten hingegen die Coordination gegen Bayer-Gefahren und der Berufsimkerbund ein Verbot der Pestizide Gaucho (Imidacloprid) und Poncho (Clothianin), um weiteres Bienensterben zu verhindern. Beide Pestizide seien stark bienengefährlich. Clothianidin steht in dringendem Verdacht, das aktuelle Bienensterben in Baden Württemberg verursacht zu haben.
In allen 15 bisher untersuchten Proben verendeter Bienen ist Clothianidin gefunden worden - ein für Bienen und andere Insekten bereits in geringsten Mengen tödliches Nervengift, so Manfred Hederer, Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbunds. Schon im Juli 2006 hatte Hederer in einem Brief an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit scharfe Kritik an der Zulassung des Pestizids geäußert und vorausgesagt, dass Clothianidin für unsere Bienen zu einer großen Gefahr werden wird.
Beide Wirkstoffe werden vom Leverkusener Bayer-Konzern hergestellt. Imidacloprid wird vor allem im Raps-, Zuckerrüben- und Maisanbau eingesetzt. Clothianidin wird als Beizmittel für Maiskörner, die seit wenigen Wochen ausgesät werden, verwendet und ist auch zur Behandlung von Raps zugelassen.
Mit der Maisaussaat begann das Massensterben der Bienen am Oberrhein. Die Stäube, die bei der Aussaat entstehen, können auf blühende Pflanzen auf Nachbaräckern und Waldränder abdriften und werden dort von den Bienen aufgenommen und in den Bienenstock transportiert.
Der Landesverband Badischer Imker berichtete in einem offenen Brief an verantwortliche Politiker von erschreckender Sorglosigkeit im Umgang mit dem Nervengift, dessen Einsatz gegen den Maiswurzelbohrer durch die Behörden sogar vorgeschrieben wurde:
Für die Ortenau und den Landkreis Lörrach hat das Regierungspräsidium Freiburg die Landwirte per Allgemeinverfügung gezwungen, ausschließlich mit PONCHO PRO gebeizten Mais aus zu sähen. Alle anderen Maisanbaugebiete wurden vom Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg zu sog. Maiswurzelbohrer-Risikogebieten erklärt mit der ausdrücklichen Empfehlung, auch hier grundsätzlich mit PONCHO PRO gebeizten Mais auszubringen. Nach unseren Informationen haben alle für Biogasanlagen produzierenden Maisanbauer diese Empfehlung voll umgesetzt.
Von der Zulassungsbehörde wurden für PONCHO PRO folgende Anwendungsbestimmungen festgesetzt:
Verschüttetes Saatgut sofort zusammenkehren und entfernen. Das Mittel ist giftig für Vögel, deshalb dafür sorgen, dass kein Saatgut offen liegen bleibt. Vor dem Ausheben der Schare Dosiereinrichtung rechtzeitig abschalten, um Nachrieseln zu vermeiden.Landwirte bestätigen uns, dass sie von keiner Seite über die Gefährlichkeit des neuen Beizmittels aufgeklärt wurden. Genauso unbekümmert gehen die Landwirte deshalb mit dem gebeizten Saatgut um. Wie Sie angehängten Bildern aus dem Ortenaukreis, wo per Allgemeinverfügung des Regierungspräsidiums Freiburg die Beizung mit PONCHO PRO vorgeschrieben ist, entnehmen können, liegen die rot gebeizten Maiskörner z. T. in großen Mengen offen entlang der Ackerstreifen und auf geteerten Wirtschaftswegen, die von Familien mit Kindern und Ausflüglern stark frequentiert werden. Auf Kinder üben die roten Perlen eine magische Anziehungskraft aus. Wer die Maiskörner berührt, hat den roten Wirkstoffstaub des Nervengiftes an seinen Fingern. Über die Gefährlichkeit für Menschen ist in den Anwendungsbestimmungen nichts vermerkt.
Landwirtschaftsminister Hauk MdL hat uns Klärung der Zusammenhänge zugesagt, lehnt aber Sofortmaßnahmen ab. Mit dieser Haltung wird den Landwirten ermöglicht, den restlichen Risikomais auszusäen. Das Massensterben der Honigbienen wird dabei billigend in Kauf genommen.Wir erwarten Sofortmaßnahmen durch das Land, um die Umweltkatastrophe zu begrenzen.
Philipp Mimkes von der Coordination gegen Bayer-Gefahren: In Frankreich wurden Poncho und Gaucho wegen erwiesener Bienengefährlichkeit verboten. Aufgrund des starken Einflusses der Bayer AG blieben die deutschen Aufsichtsbehörden jedoch untätig. Bayer hat im vergangenen Jahr mit Imidacloprid und Clothianidin fast 800 Millionen Euro umgesetzt. Hierin ist auch der Grund zu sehen, weswegen sich das Unternehmen trotz der gravierenden Umweltschäden mit Zähnen und Klauen gegen Anwendungsverbote wehrt, so Mimkes weiter. Die beiden Insektizide sind chemisch eng miteinander verwandt.
Noch am Freitag zog das Bundesamt für Verbraucherschutz die Notbremse und verbot die beiden Wirkstoffe zur Saatgutbehandlung.
Imker bleiben jedoch skeptisch. In diesem Jahr wurde das neu zugelassene "Poncho Pro" erstmals in großen Mengen in die Umwelt ausgebracht, die weiteren Folgen für die Bienen sind noch nicht absehbar, auch wenn das Mittel nun gestoppt wurde. Französische Veterinärämter haben beispielsweise den Imkern davon abgeraten, mit ihren Bienenvölkern in entsprechend behandelte Gebiete einzuwandern und diese Gebiete auch für die nächsten Jahre zu meiden, weil sich Clothianidin nur sehr langsam im Boden abbaue bzw. die Abbauprodukte teilweise noch toxischer sind als das Clothianidin selber.
Auch die Fragen der Imker, ob der Honig durch das Mittel vergiftet wird, sind noch unbeantwortet. Die Badischen Imker wollen wissen:
Ist der Honig mit kontaminiertem Pollen belastet? Aus den Genmais-Versuchen in Forchheim ist bekannt, dass genveränderter Pollen im Honig gefunden wurde. Honig, der mit Clothianidin kontaminerten Pollen belastet ist, wäre [...] nicht mehr verkehrsfähig.
Eine Frage, die natürlich alle Verbraucher etwas angeht.



