Glashauswahn jetzt am Kaiserplatz
Aus aktuellem Anlass veröffentlicht z-ac eine bereits vor zwei Jahren verfasste Pressemitteilung von Eckard Köppel, die damals nur teilweise von der Lokalpresse aufgegriffen wurde.
Die Ausführungen zum Energieverbrauch der geplanten "Kaiserplatz Galerie" sollen offensichtlich die Kritiker von Glashäusern beschwichtigen oder böse gesagt ruhig stellen - anders sind die Erklärungen nicht zu verstehen.
Was heißt hier, es würde bis 60% Energie eingespart? Heißt es in Einzelfällen bis 60% oder wird vielleicht eine Durchschnittseinsparung von 50 oder nur 40% erreicht? Weiter muss man fragen, auf welchen Verbrauch sich Prof. Kahlen bezieht? Ist es der Verbrauch von jetzigen Glashäusern, der jährlich bei 500 bis 800 kWh/m² liegt? Dann würden immerhin noch 250 bis 400 kWh/m² übrig bleiben. Viel zu viel legt man den Zielwert des Bundesbauministeriums von 100 kWh/m² als Maßstab an.Wie bei allen Glashäusern ist die Sonneneinstrahlung und damit die Wärmelast vom Frühjahr bis Herbst ein Problem. Diese Wärmelast muss aufwendig mit Klimaanlagen nach draußen transportiert werden. Das kostet Strom, viel Strom sogar, der zum Klimawandel beiträgt.
Durch die Klimaerwärmung wird zukünftig der Stromverbrauch noch weiter ansteigen, da die heißen Sommer zunehmen werden - einen Vorgeschmack haben wir in diesem Juli (2006) schon erlebt. Jährlich 34 % Strom-Mehrverbrauch für die Klimatisierung sind es bereits jetzt, das haben Klimatechniker ausgerechnet -Tendenz steigend. Mit steigenden Energiekosten wird sich das in Zukunft noch zuspitzen. Was wird in 20, 30 Jahren mit dem Gebäude, kann sich der Handel dann noch die hohen Energiekosten leisten? Oder wird das Gebäude stillgelegt und verkommt zur Ruine?
Und wie sieht es im Winter aus? Selbst hocheffiziente Glasscheiben haben 4 bis 5 Mal so hohe Wärmeverluste gegen über einer hoch gedämmten Wand. Der Winter wird ja durch den Klimawandel nicht abgeschafft - es wird weiterhin kalte Tage und Nächte geben. Wenn in Kürze die Läden rund um die Uhr geöffnet werden, muss auch nachts soweit geheizt werden, dass sich die Kunden wohl fühlen. Auch das kostet zusätzlich Energie.
Glashäuser haben sich bisher immer als Problemhäuser erwiesen, auch, wenn mancher große Architekt diese als Energiesparhäuser verkauft hat. Zugegeben, die neuartigen Fenster sind viel effizienter als Fenster, die noch vor 10 Jahren eingebaut worden sind. Doch wie sieht es mit der Haltbarkeit aus? Im Inneren der Fenster befinden sich Folien, von denen keiner so genau weiß, wie lange sie durchsichtig bleiben. Soll man sich auf derartige Großexperimente einlassen?
Haben nicht gerade die Architekten eine besondere Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit der Erde oder müssen sie an der Stellschraube des Klimawandels weiterhin fleißig drehen - denn die jetzt in die Welt gesetzten hohen Energieverbräuche belasten das Klima für lange Zeiträume. Es darf nicht mit Ideen von gestern aus einer vorübergehenden Modelaune durch unnötigen Energieverbrauch der Klimawandel forciert und die Zukunft unserer Kinder verspielt werden. Was gebraucht wird, sind zukunftssichere Passivhäuser, die mit minimalem Energieverbrauch auskommen - darin liegt die wahre Architektenkunst.
Eckard Köppel, November 2006
Hinweis der Redaktion
Wolfgang Roelen, Betreiber des Relais-Forums, ruft für heute abend zu einer Versammlung der Kaiserplatz-Galerie-GegnerInnen im Veranstaltungsraum "Raststätte" in der Lothringerstraße auf. Näheres dazu in unserem Veranstaltungskalender. (dkd)



