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Geschrieben von Walter Schumacher

Klare Botschaft
Am
vergangenen Samstag gingen über 3.000 Menschen für die Forderungen der
Gehörlosen nach Untertiteln in allen TV-Sendungen in Köln
auf die Straße. Die meisten TeilnehmerInnen waren Gehörlose,
und es war ein beeindruckender Zug von vielen gutgelaunten und
engagierten Menschen, die von der Kölner Messe über die
Rheinbrücke bis zur Abschlusskundgebung am Dom zogen. Das
Teilnehmerspektrum reichte von Familien mit Kleinkindern, über
viel Jugend bis zu Grüppchen von älteren Gehörlosen,
die offenbar gemeinsam zu dieser Demo angereist waren.

Eine der größten Gehörlosendemos
Wo
normale Demos durch Sprachdurchsagen aus den Lautsprechern
bemerkbar sind oder die Demonstranten selber Parolen skandieren,
waren hier Menschen unterwegs, die nur über Gebärdensprache
miteinander kommunizierten, die für die meisten Hörenden
nicht verständlich ist. Für Hörende ist
Kommunizieren fast identisch mit Hören können.
Die Gehörlosen beweisen aber: man kann auch mittels Gebärden
sprechen und mit den Augen hören.
Es war
beeindruckend, als hörender Berichterstatter in dieser
Parallel-Welt mitzulaufen und zu sehen, wie gut es auch ohne die
akustische Kommunikation geht.
So
entstand eine umgekehrte Situation: Gehörlose leben
normalerweise in einer Welt, in der über akustische Sprache
kommuniziert wird und sie dadurch ausgeschlossen sind. Auf dieser
Demo waren die Hörenden in der Minderzahl, und wer die
Gebärdensprache nicht verstand, sah zwar, wie die vielen Menschen
zufrieden und angeregt miteinander kommunizierten, wusste aber als
Hörender nicht, um was es ging - ein eigenartiges Gefühl.

Gebärdeter Lautsprecherwagen
Auf den
Lautsprecher-Wagen (Wortwahl des hörenden Berichterstatters)
standen Gebärdensprachen-Dolmetscher, die für die
gehörlosen Demo-TeilnehmerInnen die Infos weitergaben. Parallel
wurde das Gleiche für die Hörenden in eine Sprachdurchsage
übersetzt.
Hätte
es nicht ab und zu diese akustischen Übersetzungen der
Gebärdensprachen-Dolmetscher gegeben, hätten die (hörenden)
Passanten und Zuschauer am Rande der Demo wohl kaum verstanden, um
was es inhaltlich ging:
- Gehörlose
sind auf vielfache Art von der sozialen Kommunikation der
Hörendenwelt abgeschnitten. Sie können
und wollen aber auch am normalen Leben teilnehmen. Deswegen müssen
sie auch Zugang zur heutigen Informationsgesellschaft bekommen. Unter
dem Motto Mehr
Bildung durch Untertitel fordern
sie, dass TV-Sendungen mit Untertiteln versehen werden sollen. Unter
Berücksichtigung des heute technisch machbaren ist diese
Forderung nur allzu berechtigt.
- Auch
wenn die Qualität vieler TV-Sendungen fragwürdig ist,
wollen auch Gehörlose das Anrecht haben, diese verstehen zu
können. Dass so etwas möglich ist zeigen Länder wie
die USA, Großbritannien, Holland oder
Norwegen, wo mehr als 50% der TV-Sendungen mit Untertiteln angeboten
werden, in Deutschland sind es knapp 8%!

Starke Gebärden
Weiße
Handschuhe ziehen die Blicke auf sich. Winken mit allen zehn
abgespreizten Fingern bedeutet Applaus. Und wenn dann hunderte Hände
in weißen Handschuhen nach einem guten Redebeitrag gemeinsam
winken, ist das ein sehr berührender Anblick.

Umdenken für Hörende
Die
Demo endete mit einer Kundgebung vor dem Dom. Hier gab es Beiträge
sowohl von Hörenden als auch Gehörlosen. Man war sich einig
in der Forderung nach 100% Untertiteln im Fernsehen und entsprechende
Kampagnen zur Verankerung dieser Forderung im Rundfunkstaatsvertrag
werden fortgeführt. Als Vertreterin der Stadt versprach
Sozialdezernentin Marlis Bredehorst, sich bei den ortsansässigen
Fernsehstationen entsprechend einzusetzen.
Ein
heftiger Platzregen erzwang eine kurzzeitige Unterbrechung, in der
fast alle unter die Vordächer des Römisch-Germanischen Museums flüchteten.
Kurz darauf schien dann wieder die Sonne und es wurde doch noch eine
wunderschöne strahlende Schlusskundgebung vor dem Dom.
Fotos: Walter Schumacher für z-ac