Bundeswehr plant Rekrutierung von Arbeitslosen

Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Andrej Hunko

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Vor dem Arbeitsamt Berlin, Foto: Bundeswehr wegtreten!
Die wachsende Prekarisierung und fehlende berufliche Perspektiven insbesondere jüngerer Menschen machen gefügig, sich bei der Bundeswehr zu verpflichten - so offensichtlich das Kalkül des in Düsseldorf ansässigen „Zentralen Messe- und Eventmarketings der Bundeswehr" (ZeMEMBw).

"Wir wollen uns von anderen Arbeitgebern unterscheiden. Das Unverwechselbare unseres Berufs, das Militärische, gehört natürlich essentiell dazu", meint Oberstleutnant Broich in einer Selbstdarstellung der ZeMEMBw.

„Über 600 mal treten die olivgrünen Häscher in den Innenstädten, in Schulen und auf Messen auf, um Nachwuchs für ihre völkerrechtswidrigen und tödlichen Missionen zu werben. Diese Form der Militarisierung des öffentlichen Lebens ist bisher viel zu wenig beachtet.", schreibt die Abgeordnete der Linksfraktion des Bundestages, Ulla Jelpke, zu ihrer Kleinen Anfrage „Reklameeinsätze der Bundeswehr".

Mit „Info-Trucks", „Karrieretreffs" oder Messeständen unter Motti wie „Jobs for future", „Jobs for You" oder „Chance07" sollen potentielle „Kameradinnen und Kameraden" von den Vorzügen eines „abwechslungsreichen, fordernden und motivierenden" Berufes überzeugt werden. Geplant ist etwa ein Info-Mobil beim „GirlsDay" am 26. April in Aachen oder ein „Karriere-Treff" am 13./14. August in Düren.

Hinzu kommen mehrere hundert Kampfeinsätze in den BIZen der Arbeitsagenturen. In Aachen gleich viermal dieses Jahr, am 10. Mai, am 30. Mai, am 23. August und am 15. November; in Jülich etwa am 24.Mai., am 30.August und am 22. November.

Diese Art Nachwuchs anzulocken scheint bitter nötig: Nina Leonard kommt in ihrem 2005 erschienen Lehrbuch „Militärsoziologie - eine Einführung" zum traurigen Schluss: „Wer über ausreichende berufliche Chancen verfügt, zieht die Möglichkeit, Soldat der Bundeswehr zu werden, gar nicht in Betracht." Der Sozialabbau soll nun offensichtlich als „Rekrutierungshilfe" (Jonna Schürkes, IMI) dienen.

Auf der letzten Montagsdemo in Aachen wurde Protest gegen diese Form des Ausnutzens der Perspektivlosigkeit junger Erwerbsloser laut. Man wolle die Werbeveranstaltung am 10. Mai nicht unkommentiert lassen.

Dass öffentlichkeitswirksame Aktionen durchaus erfolgversprechend sein können, zeigt das Beispiel Köln. Dort hatte die Initiative „Bundeswehr wegtreten!" erfolgreich gegen die Werbeveranstaltungen protestiert. Die Bundeswehr setzte schließlich bewaffnete Feldjäger als Saalschutz im Berufsinformationszentrum ein, freilich ohne Hausrecht. Das war schließlich auch der Kölner Arbeitsagentur Mitte zuviel, die die Veranstaltungen „bis zur Klärung der Rahmenbedingungen zur Durchführung von zukünftigen Informationsveranstaltungen" aussetzte.

Im Aachener Stadtrat hat die Linkspartei mittlerweile eine Anfrage zum Thema gestellt. Man darf auf die Reaktionen gespannt sein.

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