Aachen: Bundeswehr bricht Werbeveranstaltung in Arbeitsagentur nach Protesten ab
Am Donnerstag den 10. Mai plante die Bundeswehr im BIZ (Berufsinfornationszentrum) eine Werbeveranstaltung um perspektivlosen Jugendlichen Karrierechance" in der Bundeswehr schmackhaft zu machen.
Enttäuschend für die Veranstalter: Nur drei (!) Interessierte waren gekommen, allerdings auch zwanzig besorgte Bürger, die diese zivilgesellschaftliche Durchdringung durch das Militär nicht hinnehmen wollten.
Gleich zu Anfang erschien der zuständige Bereichsleiter der Arbeitsagentur Hans Helmut Lehmkuhl, um mit den Demonstranten zu diskutieren. Im Unterschied zu anderen Städten würden in Aachen keine Hartz-IV-Empfänger verpflichtet, diese Veranstaltungen zu besuchen, die Arbeitsagentur müsse aber über alle Berufsmöglichkeiten informieren, so auch die innerhalb der Bundeswehr.
Die Demonstranten, darunter ehemalige Wehrdienstleistende, besorgte Mütter und kritische junge Menschen, entgegneten ganz im Sinne Kurt Tucholskys, Soldat sei kein gewöhnlicher Beruf und verwiesen auf die völkerrechtswidrigen Auslandseinsätze der Bundeswehr.
Herr Lehmkuhl ließ schließlich die Demonstration vor dem BIZ (auf dem Gelände der BA) zu, im Falle einer Störung der Veranstaltung würde er allerdings von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Die Hälfte der Protestierer machten schließlich von ihrem Recht Gebrauch, an der in den örtlichen Medien angekündigten Veranstaltung der Bundeswehr teilzunehmen und sie mit kritischen Fragen und aktuellen Beispielen zu bereichern.
Dort verwies etwa der Sozialarbeiter und Mitglied der Arbeitsloseninitiative Tatendrang, Horst Freiling, auf die hohe Zahl von vier Morden und zwei Selbstmorden hin - in einer Einheit, innerhalb von nur sechs Wochen nach einem Afghanistaneinsatz.
Nach einer halben Stunde wurde es dem Werbeoffizier schließlich zu viel und er ließ die Veranstaltung abbrechen.
Damit reiht sich der Protest in Aachen in die erfolgreichen Proteste in Berlin, Bielefeld und Köln ein. Auch in Wuppertal musste am selben Tag eine Veranstaltung abgebrochen werden.Bemerkenswert am Rande: Eine Mitarbeiterin der Agentur gesellte sich zu den Protestierenden und berichtete, dass die Beschäftigten gar nicht wüssten, dass an ihrem Arbeitsplatz solche Veranstaltungen stattfinden; sie würde die KollegInnen beim nächsten Mal im Vorfeld informieren. Dazu wird es voraussichtlich Gelegenheit geben: Am 30. Mai ist der nächste Auftritt der Bundeswehr geplant, diesmal 8.00 Uhr morgens. Es sei denn die Verantwortlichen kommen zur Einsicht, sich besser dem Motto der Demonstration anzuschließen: Bundeswehr wegtreten.




