Globalisierungskritiker demonstrieren in Düren
{nomultithumb}G8 versenken! In Düren, Heiligendamm und überall! unter diesem
Motto veranstaltet das Anti-G8-Bündnis Köln mit Unterstützung der
Antifa Düren am kommenden Montag (21. Mai) eine Demonstration gegen den
bevorstehenden G8-Gipfel in Mecklenburg-Vorpommern Anfang Juni.
Düren ist als Ort der Demonstration nicht zufällig gewählt: In Vettweiß-Disternich sitzt nicht nur die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG, die Betreibergesellschaft des G8-Tagungshotels, in Düren unterhält auch die Fundus-Gruppe ihr nordrhein-westfälisches Servicebüro. Diese verteibt Fondsanteile am Hotel in Heilligendamm.
In Redebeiträgen wird sich die Demonstration u.a. mit dem Widerstand gegen den G8-Gipfel, der unaufgearbeiteten Geschichte des Kempinski-Konzerns (insbesondere die Arisierung während des Faschismus) und der aktuellen Repression gegen die Anti-Globalisierungsbewegung unter dem fadenscheinigen Vorwurf der Bildung einer terroristischen Vereinigung befassen.
Die Demonstration beginnt am Montag, den 21. Mai um 17 Uhr am Vorplatz des Dürener Bahnhofes. Auf dem Weg durch die Innenstadt wird es Zwischenkundgebungen sowohl in der Fußgängerzone als auch vor dem Sitz der Fundus-Gruppe in der Kölnstraße geben. Außerdem ist eine kurze Kundgebung gegen den NPD-Treffpunkt Gütershop auf der Arnoldsweilerstraße geplant.
Mit Blick auf die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel im Juni 2007 in Heiligendamm zeigen Antifa Düren und Multikulti außerdem am Freitag, den 25. Mai um 19.00 Uhr (Einlass: 18.00 Uhr) im Multikulti (Haus der Stadt) den Film Miami Model. Der Eintritt zu dieser Produktion des unabhängigen Mediennetzwerkes Indymedia ist frei.
Hintergrund zur Demonstration am 21. Mai in Düren:
Mit der Demonstration am 21. Mai wollen wir aufmerksam machen auf die Geschichte der
Hotelkette Kempinski. Der aktuelle Anlass hierzu ist der in wenigen
Tagen im Kempinski-Grand-Hotel-Heiligendamm stattfindende G8-Gipfel.
Der
Name Kempinski geht zurück auf die jüdischen FirmengründerInnen
Berthold und Helene Kempinski, die das Unternehmen Mitte des 19.
Jahrhunderts zunächst als Weinhandel und später auch als
Restaurantkette aufbauten. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wuchs
das Unternehmen unter der Leitung des Sohnes der FirmengründerInnen
Hans und seiner Frau Luise Kempinski stark an.
Nach der Machtübertragung der NSDAP 1933 begann der Staat
systematisch jüdisches Eigentum arischen BürgerInnen zu übereignen.
Die Arisierung" des Kempinskikonzerns wurde ab 1935 vom Konkurrenten
Aschinger AG" forciert, dem er 1937 übereignet wurde.
Unter der Führung der Aschinger-Hotelkette wurde der Name Kempinski
beibehalten, um die Vorgänge zu verschleiern. In den folgenden Jahren
wurden im Unternehmen massiv Jüdinnen als Arbeitssklavinnen über die
Arbeitsämter zwangseingewiesen. Diese Frauen wurden ab Winter 42/43 von
ihren Zwangsarbeitsplätzen in der Berliner Leipziger Straße gen Osten
deportiert und in den Vernichtungslagern ermordet. Ebenfalls von den
Nazis ermordet wurden Luise Kempinski, ihre Schwiegertochter Gertrud
Teppich, ihr Schwiegersohn Helmut Teppich, der einstige Miteigentümer
von Kempinski, Dr. W. Unger und der jüdische Restaurantdirektor Danwy.
Gerhard und Mela Kempinski, Sohn und Schwiegertochter von Luise und
Hans, mussten fliehen.
Dass das Unternehmen heute wieder den Namen Kempinski AG" führt, ist das Ergebnis der 1953 erfolgten Legalisierung des im Faschismus betriebenen Raubs jüdischen Eigentums. Die Nachkommen der ermordeten und vertriebenen Mitglieder der Kempinski-Familie protestierten vergeblich gegen die weitere Verwendung des jüdischen Namens durch die Profiteure des Nazi-Regimes.
Die Beleidigung der Opfer des Nationalsozialismus findet unseres
Erachtens in diesem Zusammenhang seinen Höhepunkt darin, dass sich die
selbsternannte Führung der Welt, die Staatschefs der G8-Länder in
diesem Jahr in einem Hotel der Kempinski-Kette treffen, um
unter Ausschluss jeglicher demokratischer Kontrolle den Ausbau ihrer wirtschaftlichen und militärischen Dominanz zu planen.
Wir fordern alle Menschen in Düren und überall sonst auf, sich dem mit uns entgegenzustellen.
Faschismus entwurzeln!
Kapitalismus bekämpfen!
Die Demonstration wird vom Anti-G8-Bündnis Köln mit Unterstützung der Antifa Düren organisiert.



