"Wir sollten die Symbole dieser Unrechtsordnung angreifen!"

Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Edith Bartelmus-Scholich

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Edith Bartelmus-Scholich auf der Gegenkundgebung, Foto: W. Schumacher
Rede von Edith Bartelmus-Scholich auf der Gegenkundgebung zum Karlspreis

"Liebe MitstreiterInnen,

ich freue mich total, dass ich hier in Aachen sein konnte während dieser zwei Tage und Euch bei dieser Protestaktion unterstützten konnte. Mir hat besonders gefallen, dass ihr die Aktion so gründlich über Monate vorbereitet habt und dass sie jetzt auch nicht enden soll, sondern dass ihr mit dieser Aktion im Prinzip nur den Anfang gemacht habt.

Ich möchte nicht alle diese Dinge, die Tobias vorgetragen hat, noch einmal vertiefen. Aber ich möchte dem Ausdruck geben, dass selten ein Karlspreisträger im Sinne des Karlspreises so passend gewählt wurde wie Solana.

Karl der Große hat in Europa eine neue Ordnung geschaffen. Das bedeutet nicht nur, dass er ein Großreich mit dem Schwert geschaffen hat, sondern es bedeutet vor allem, dass der Feudalismus in dieser Zeit eingeführt wurde.

Bevor Karl der Große seine 40 Jahre Krieg begonnen hatte, man muss sich das vorstellen,: er hat vierzig Jahre lange in diesem Reich jeden Sommer Krieg geführt - im Winter konnte man aus technischen Gründen damals nicht Krieg führen -, gab es eine gemischte Struktur, die vor allen Dingen maßgeblich wirtschaftlich, politisch und auch in der Verteidigung mitbestimmt war von freien Bauern.

D.h. also die Leute wirtschafteten auf eigenem Land, verwalteten ihre Gemeinde auch als Freie selber und leisteten Kriegsdienst als Beitrag zur Verteidigung.

In dieser ununterbrochenen Kriegsführung durch Karl den Großen und die Franken ging den meisten freien Bauern die Möglichkeit ab, diese Leistungen weiterhin vollständig zu erbringen und die Folge war: ca. 90% der freien Bauern in diesem Gebiet haben sich „freiwillig" in die Hörigkeit begeben, um zu überleben. Damit wurde für Jahrhunderte ein System der Knechtschaft und des Feudalismus fest installiert. Und dazu gibt es heute Parallelen.

Auch heute verläuft die Militarisierung Europas, das Führen von Kriegen, parallel mit dem Abbau von demokratischen Rechten und der Zerstörung wirtschaftlicher Möglichkeiten im Inneren und im Äußeren. Und es deutet sich an, dass, wenn die Militarisierung voranschreitet, wir dann in eine neue Ära der Knechtschaft kommen, ganz im Gegensatz zu den humanistischen, hehren Zielen, die der Preisträger vor einer Stunde beschworen hat.

Dieser Tendenz mit unserer gemeinsamen Gegenwehr entgegen zu treten ist heute nötiger als je und ich finde wir sollten ein Zeichen setzten. Wir sollten die unterschiedlichen Protestbewegungen deutlich verbinden. In wenigen Wochen in Heiligendamm: die Protestbewegungen gegen die Militarisierung, gegen den Demokratieabbau im Innern und die Repression - den Ausbau des Polizeistaates wo wir zur Zeit täglich die Verschärfung erfahren - und gegen die materielle Repression, nämlich den Abbau sozialer Besitzstände im Inland. Diese Kämpfe müssen wir verbinden. Wir sollten das in Heiligendamm zum Ausdruck bringen. Wir sollten das auch im ganzen Land zum Ausdruck bringen

Wir sollten die Symbole dieser Unrechtsordnung angreifen!

Ich bin dafür, dass der Karlspreis abgeschafft wird!

Ich danke Euch"

[Applaus]

 

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