Herta Müller: "Mit 17 freiwillig in der Waffen-SS gewesen zu sein, das werfe ich ihm vor"

Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Darius Dunker
Mit 17 freiwillig in der Waffen-SS gewesen zu sein, das werfe ich ihm vor. Wie könnte ich es ihm nicht vorwerfen? Ich meine, mit 17 ist man schon ziemlich erwachsen. […] Ich selbst stand mit 17 auch vor der Entscheidung, ob ich mich mit dem Regime arrangiere, und ich habe es nicht getan, um nicht den gleichen Fehler zu machen wie er.
Mit keinem Wort ging Herta Müller am Samstagabend, als ihr der Aachener Walter-Hasenclever-Literaturpreis verliehen wurde, direkt auf Günter Grass ein. Als sie – vielleicht noch sorgsamer, als hier zitiert – ihre Worte in die Halle der ehemaligen Schirmfabrik, in der der Preis verliehen wurde, aussandte, sprach sie von ihrem Vater. Die Parallele zu Grass zu sehen, war jedoch geradezu zwingend, und deshalb bedurfte sie keiner Erwähnung, als Herta Müller beispielsweise von halbherzig hilflosen Versuchen erzählte, im Nachhinein die Vergangenheit in Form von SS-Abzeichen auf einem Foto mit dem Ruß abgebrannter Streichhölzer zu retuschieren.

Die Preisverleihung selbst war übrigens ziemlich schmucklos und wirkte wie ein konspiratives Treffen einer verschworenen Gemeinschaft der Literaturkenner, während jenseits der Glastüren eine Hochzeitsgesellschaft tafelte und ausgelassen feierte.

Einzig Regina Pastuszyk schuf mit der Klarinette einen musikalischen Rahmen, der dem Vorgang im Ludwigforum, in dem wegen des Umbaus der Ausstellung Leitern und Gerümpel herumstanden, ein bisschen mehr Würde verlieh. In dieses Bild passt leider auch, dass bis heute auf den Webseiten der Walter-Hasenclever-Gesellschaft die eigentliche Preisverleihung nicht erwähnt ist.

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