Umweltschützer für Boykott von vermeintlichem Biosprit E10

Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Darius Dunker

FotoJetzt, wo "Super E10" an den Zapfsäulen angekommen ist, nehmen viele erst wahr, dass ein neuer Kraftstoff mit höherer Beimischung von Ethanol eingeführt worden ist. Viele AutofahrerInnen sind verunsichert, ob der Kraftstoff ihrem Fahrzeug schadet. Umweltorganisationen bezweifeln ohnehin, dass die Beimischung von Kraftstoffethanol tatsächlich ein Fortschritt für die Umwelt ist. Das Münchener Umweltinstitut ruft gar zum Boykott des E10-Benzins auf.

Die Beimischung des landwirtschaftlichen Ethanols erfolgt aufgrund einer EU-Richtlinie von 2009, die seit Februar 2011 in Deutschland umgesetzt wird. Durch den Agrosprit soll angeblich der Umwelt geholfen und die Abhängigkeit von Kraftstoffimporten verringert werden. Tatsächlich müsste nach Berechnungen des Londoner Instituts für europäische Umweltpolitik (IEEP) weltweit fast 70000 Quadratkilometer landwirtschaftliche Flächen für den Anbau der Pflanzen für den Kraftstoff kultiviert werden - das entspräche beispielsweise der gesamten Fläche der Republik Irland. Laut der Londoner Studie würde schon der CO2-Ausstoß dazu die erhofften CO2-Einsparungen weit übertreffen.

Dabei konkurrieren die Anbauflächen für Agrosprit mit dem Anbau von Nahrungsmitteln. "Die Ackerflächen auf der Erde sind schlicht zu klein, um gleichzeitig die Welternährung sicherzustellen und unsere Mobilität zu ermöglichen. So verdammt Agrosprit Millionen Menschen zu Hunger und Mangelernährung," erklärt das Münchener Umweltinstitut. Zugleich findet die Landwirtschaft zur Kraftstoffproduktion mit großem Einsatz an Düngemitteln und Pestiziden statt, der beispielsweise in den USA bereits jetzt nach Aussagen von Greenpeace über Mississippi und Missouri zu immer größeren "Dead Zones" im Golf von Mexiko führt.

Mit der erzwungenen Beimischung von Kraftstoffethanol werden vor allem Interessen der industriellen Landwirtschaft befriedigt, die bekanntlich in den USA, aber auch im Bundesland des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer (CSU) einflussreich ist. Schon jetzt verdrängt - angereizt durch diverse Fördermaßnahmen - Anbau für Agrosprit in Bayern spürbar die Landwirtschaft für den Lebensmittelbereich.

Aber auch für die Automobilindustrie hält die EU-Richtlinie ein Geschenk bereit. Lediglich bis 2013 sollen die Anbieter demnach verpflichtet werden, den Kraftstoff mit derzeit 5 Prozent Ethanolbeimischung anzubieten. (Längere Regelungen sind jedoch möglich.) Zwar vertragen die meisten PKW angeblich den E10-Kraftstoff, aber es gibt eben auch eine ganze Reihe Ausnahmen, beispielsweise bei Volkswagen auch Fahrzeuge des Baujahrs 2006, für die dann vielleicht schon nach acht Jahren nicht mehr geeigneter Kraftstoff verfügbar wäre. Eigentlich unnötige Fahrzeugneuanschaffungen wären die Folge.

"Steigende Ethanolmengen im Benzin sind keine sinnvolle Klima- oder Umwelschutzmaßnahme. Sie reduzieren auch nicht unsere Importabhängigkeit und verschleiern nur den Blick auf die richtigen klimarelevanten Maßnahmen", kritisiert Greenpeace. Dass diverse Tankstellen zur Markteinführung herkömmlichen Kraftstoff als E10 verkauften, ist dabei nur eine Episode am Rande.

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