Jurex insolvent - Niedrigstlöhne lohnen sich nicht
Der bundesweit tätige Briefzusteller Jurex mit Sitz in Erkelenz hat Insolvenz angemeldet. Die Firma, die angeblich sogar einst als "Unternehmen des Jahres" hätte ausgezeichnet werden sollen, ist für ihre besonders eklatanten Hungerlöhne bekannt.
Nach verschiedenen Presseberichten (Junge Welt, Berliner Kurier) zahlte beispielsweise die Tochterfirma "Jurex mail Berlin" Stundenlöhne von unter einem Euro, oft nur 50 Cent. Mit teilweise nur 3 Euro am Tag kamen Jurex-MitarbeiterInnen den Berichten zufolge auf unter hundert Euro Monatslohn - trotz 40-Stunden-Woche.
Jurex geriet in die Schlagzeilen, als eine ganze Ladung wichtiger Gerichtspost in einem Müllschuppen entdeckt wurde. Berüchtigt ist Jurex aber auch für rigides Vorgehen gegen gewerkschaftliche Strukturen und als Pressure Group für weitere Privatisierungen.
Nun sind nach Meldung des WDR rund 1200 MitarbeiterInnen in 50 Niederlassungen durch die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens von Entlassung bedroht. Die Insolvenz wurde dem Bericht zufolge durch gekündigte Bankkredite ausgelöst.
Ein Zusammenhang zwischen schlechten Arbeitsbedingungen, rufschädigenden Zwischenfällen und Zahlungsunfähigkeit anzunehmen, ist naheliegend.
Erst Anfang Mai hatte Verdi-Sekretärin Herma Janßen auf Einladung des linken Arbeitskreises Betrieb und Gewerkschaft in Aachen über die Situation der Jurex-Beschäftigten berichtet.
Nach Darstellung der Jurex-GmbH selbst sollen die Schilderungen von Niedrigstlöhnen hingegen Teil "einer beispiellosen Schmutzkampagne auf niedrigstem Niveau in Internetblogs und in den Medien" und "eine beispiellose Rufmordkampagne gegen den alternativen Briefdienstleister" sein, die Verdi und Post gemeinsam betrieben.



